Psoriasis

 

Dass die Schuppenflechte eine entzündliche Hauterkrankung mit Rötung, Schuppung und Bläschenbildung ist, einhergehend mit einem stark beschleunigten Wachstum der oberen Hautschicht, dürfte allen Betroffenen bekannt sein. Auch die Einteilung in mehrere klinische Formen (Psoriasis vulgaris, Psoriasis pustulosa, Psoriasis arthropathica, psoriatische Erythrodermie) ist einstimmig anerkannt, bringt allerdings wenig Einblick in die Pathogenese (Krankheitsgeschehen) dieser Erkrankung.

Klassische Therapieverfahren bei Psoriasis


Die Analyse des Therapiespektrums bei Psoriasis in den Industrieländern in den letzten 30 Jahren zeigt immer wieder diesselben Verfahren wie:

     Die Bestrahlungstherapie: UV-Behandlung unter stationären oder ambulatorischen Bedingungen, oft kombiniert mit Chemotherapeutika wie Psoralen (PUVA-Therapie).
     
     Klima-Therapie in hohen Gebirgen oder am Meer kombiniert die positive Wirkung der Sonne (UV-Bestrahlung) mit der Mineral- und Spurenelementeinwirkung des Meerwassers. Auf dieser natürlichen Therapieform basieren auch klinische oder ambulatorische Ansätze mit UV-Strahlen und Sole-Therapie, die in Kliniken und Kurorten angeboten werden.
     
     Lokale symptomatische Behandlung mit verschiedenen Salben, Cremes und Emulsionen, meistens basierend auf Kortison-, Retinoid-, Salicylsäure-, Cignolin- und Teerformulierungen.
     
     Innere Behandlung schwerster Psoriasisformen mit Vitamin-A-Derivaten (Tigason, Roaccutan) oder mit Zytostatika (Methotrexat, Cyclosporin).

Die oben erwähnten Therapieformen sind mit Sicherheit allen Psoriasis-Betroffenen längst bekannt, haben jedoch leider drei Gemeinsamkeiten:

  1. Keines dieser Verfahren berücksichtigt wichtige Provokationsfaktoren psoriatischer Erscheinungen.
  2. Alle diese Verfahren richten sich lediglich auf die psoriatischen Symptome (Entzündung und hohe Vermehrungsrate der Epidermalzellen, verbunden mit Schuppung), daher ist die beschwerdefreie Zeit begrenzt und die Rückfälle kommen nach wiederholter Behandlung immer schneller wieder.
  3. Alle dieser Verfahren haben verschiedene Nebenwirkungen, die bei langfristiger Anwendung für den Patienten leichter oder gravierender sein können, von Hemmung der zellulären Immunreaktion mit steigender Infektanfälligkeit über Hautatrophie, Ödeme, Haarverlust und innere Organschäden bis hin zu Hautkrebs.

Anhand dieser Tatsachen konzentriert sich die Aufmerksamkeit der Betroffenen in den letzten Jahr verstärkt auf neue, biologische, nebenwirkungsarme Therapieansätze, die unter Umständen auch eine längere Beschwerdefreiheit sichern können.

Aktuelle Therapieansätze



In den letzten Jahren hört man von dem Einsatz der einen oder anderen biologischen Mittel, meistens als Ergänzung zu den klassischen Therapieformen. Hierzu gehören z. B. die Anwendung von

     Vitamin D3-Derivaten (Calcipotriol, etc.) zur Lokalbehandlung psoriatischer Hauterscheinungen
     
     Fumarsäurepräparaten für den inneren und äußerlichen Gebrauch,
     
     mehrfach ungesättigte Fettsäuren wie z. B. aus Nachtkerzen- und Fischöl,
     
     gentechnologisch hergestellten Biologicals zur Hemmung der aktivierten T-Lymphozyten (Blutzellen) und deren Botenstoffen (Zytokinen),0 sowie
     
     verschiedene Diätempfehlungen, die ebenfalls eine Linderung der Beschwerden bringen sollen.
     

Auch hier sind die Ansätze und die Therapieerfolge kontrovers diskutiert, da bisher keines dieser neuen Mittel im Alleingang eine dauerhafte Beschwerdefreiheit für sich verbuchen konnte.

Damit wird immer deutlicher, dass es nicht darum geht, die Diagnose Psoriasis pauschal, sondern vielmehr darum, den einzelnen Patienten mit seinem eigenen biologischen Muster zu behandeln.

Das Neukirchener Modell



Seit 1986 werden in der Spezialklinik Neukirchen die verschiedenen klinischen Formen der Psoriasis anhand eines integrativen, komplexen Therapiemodells behandelt. Die Ärzte und Wissenschaftler der Klinik waren vorher mehrere Jahre mit der Problematik der verursachenden Faktoren psoriatischer Erscheinungen beschäftigt.

Die heute zur Verfügung stehenden Daten zeigen eindeutig, dass in 50-65 % der Psoriasis-Fälle (Typ 1) eine genetische Disposition vorliegt, die man mit den sogenannten genetischen Blutmarker-Systemen (Antigene der Lewis-Blutgruppen, der HLA- und MHC-Systeme) feststellen kann. Interessant ist aber die Tatsache, dass sowohl in diesen Fällen, als auch bei einer Vielzahl von Patienten, bei denen weder eine familiäre Veranlagung noch genetische Merkmale erkennbar waren (Psoriasis Typ 2), die Krankheit erst relativ spät (meist im 2. Lebensjahrzehnt oder später) zum Ausbruch kam.

Das zeigt hiermit, dass hier neben der erwähnten genetischen Veranlagung zusätzliche Provokationsfaktoren eintreten müssen, um eine verborgene, genetisch verankerte Psoriasis in eine klinisch definierte, sichtbare Erkrankung umzuwandeln.

Provokationsfaktoren psoriatischer Schübe



Nach den uns zur Verfügung stehenden Daten gelten als wichtige somatische Auslöser psoriatischer Schübe:

     Hautreize chemischer oder physikalischer Natur / Verletzungen (Köbner-Phänomen),
     
     negative Klimaeinfüsse (nasskalte Witterung, Sonnenbrand),
     
     wiederkehrende bakterielle, virale oder Pilzinfektionen der Haut, der Schleimhäute und des Darmes,
     
     Abweichungen in der zellulären Immunfunktion durch sich schnell vermehrende T-Zell-Subpopulationen, die durch bestimmte Antigene aktiviert wurden,
     
     die langfristige Einnahme verschiedener Medikamente wie Anti-Malaria-Mittel, -Blocker, Lithium, Penizilline, Sulfonamide, Cimetidin, -Interferon, u. a.
     
     der Konsum von Alkohol und bestimmten Nahrungsmitteln bzw. Zusatzstoffen, die durch pseudoallergische Reaktionen den Reizzustand der Haut deutlich steigern,
     
     Schadstoffe wie Nikotin, Pestizide, Düngemittel, Holzschutzmittel, Lösungsmittel, Kosmetikbestandteile oder Schwermetalle aus Dentallegierungen, Schmuck, Konservendosen, die als potentielle Aktivatoren der T-Zellen gelten
     
     Abweichungen im Purin-, Eiweiß- und Fettstoffwechsel, meist durch falsche Ernährung
     
     eine mangelnde Entgiftungsfunktion der Leber und des Blutes (eigene Untersuchungen zeigen erniedrigte MAO-, DAO- und GST-Werte) sowie
     
     die erhöhte Produktion von Eiweißmolekülen aus Nerven- und Hautzellen mit Einfluß auf die gesteigerte Vermehrungsrate der oberen Hautschichten und T-Zellen-Funktion
     
     neurohormonelle Störungen, verbunden mit signifikanten Streßhormon-Abweichungen, welche auf eine chronisch veränderte Reaktionslage im Nervensystem beim Psoriatiker hinweisen.
     
     die Hemmung des Energiestoffwechsels, verbunden mit niedrigen Werten energiereicher Stoffe (ATP) und zyklischer Nukleotide (cAMP) in den Hautzellen und Leukozyten.
     
     die negative Wirkung verschiedener psychogener Faktoren wie z. B. Konfliktsituationen, Prüfungsangst, Verlust des Arbeitsplatzes, Unfälle, Operationen, Scheidung, Tod von Angehörigen u. a. konnte ebenfalls bei über 40 % der Psoriatiker statistisch dokumentiert werden.
     
Integrative, individuelle Therapieformen



Bei der o. g. zahlreichen Provokationsfaktoren psoriatischer Schübe ist es leicht verständlich, dass nur eine individuelle ganzheitliche Therapie langfristig Erfolg haben kann.

Ziel dieser Therapie ist es, die sichtbare Psoriasis in eine erscheinungsfreie Form umzuwandeln und diesen Zustand langfristig zu stabilisieren. Da die genetische Prädisposition der Psoriatiker nicht zu beeinflussen ist und jeder Patient seine eigene Krankheit hat, wird versucht, in erster Linie möglichst genau die individuellen Provokationsfaktoren exogener und endogener Natur herauszufinden und diese gezielt auszuschalten.

In der Spezialklinik Neukirchen wird dies zuerst im Rahmen eines umfassenden Diagnoseprogrammes anhand klinischer und spezieller biochemischer, mikrobiologischer, immunologischer und umweltmedizinischer Untersuchungen gewährleistet.

Die nachfolgenden individuellen Therapiemaßnahmen orientieren sich strikt an den im Diagnoseprogramm gewonnenen Ergebnissen und beinhalten vor allem:

Innere Behandlungskomponente



Hierzu gehören Maßnahmen wie

     Sanierung mikrobieller Herde, die die Haut, die Schleimhäute, die Luftwege, Harnwege, den Darm oder den Genitalbereich befallen haben.
     
     Wiederherstellung einer gesunden Darmflora und Darmfunktion, z. B. anhand von milchsäureproduzierenden Bakterien und gesunden E.-coli-Stämmen.
     
     Identifizierung und Ausleitung relevanter Schadstoffe wie Pestizide, Holzschutzmittel, Schwermetalle aus Dentallegierungen u. a.
     
     Aktivierung von Entgiftungsmechanismen der Leber und des Blutes (Alkohol/Aldehyddehydrogenasen, Phenoloxydasen, Mono- und Diaminoxydasen, Glutathion-S-Transferasen und andere). Hier kommen biologische Leberschutzstoffe, ausgewählte Nahrungsmittel und B-Vitamine mit Co-Enzym-Funktion sowie die drastische Reduzierung von Nikotin und Alkohol zum Einsatz).
     
     Eliminierung erhöhter Konzentrationen von krankheitsfördernden Stoffen im Blut (Endotoxine, biogene Amine und zirkulierende Immunkomplexe) durch Ausschluß-Diät, Enzymgaben und Darmsanierung
     
     Abbau erhöhter Harnsäure- und Fettwerte im Blut anhand diätetischer und phytotherapeutischer Maßnahmen.
     
     Aktivierung der humoralen und zellulären Abwehrfunktion mittels biologischer Schutzstoffe (Immunglobuline), Autovakzine (Impfungen) und biologisch-pflanzlicher Präparate wie Echinacea, Thuja, Baptisia.
     
     Ersatz fehlender Vitamine, Spurenelemente, ungesättigter Fettsäuren (Omega-3,6 und 9) und energetisch wirksamer Stoffe (Fumarsäure, ATP). Die Verordnung solcher Mittel hat ebenfalls individuellen Charakter und orientiert sich strikt an den Untersuchungsergebnissen (energiereiche Stoffe, ATP, Fettsäurenprofil in Blutzellen, Vitaminstatus, etc.)
     
Diätetische Maßnahmen



Erfahrungsgemäß müssen die meisten Psoriatiker auf die Aufnahme bestimmter Nahrungsmittel verzichten, die allergische oder pseudoallergische Reaktionen auslösen können oder eine ungünstige Wirkung auf den intermediären Stoffwechsel entfalten. Hier kommen Nahrungsmittel in Frage

     mit steigender Wirkung auf die Harnsäure- und Blutfettwerte (Schweinefleisch, Innereien, Spargel, Fettspeisen),
     
     mit ungünstiger Wirkung für die Unterhaltung bakterieller oder mykotischer Herde (Zucker- und Mehlprodukte, Alkohol),
     
     mit reizender Wirkung auf das Nerven- und Gefäßsystem (biogene Amine, Kaffee, Konservierungsstoffe, Farbstoffe sowie bestimmte vasoaktive Gewürze wie Pfeffer, Paprika, Curry, Chilli),
     
     die mit IgE-Antikörpern allergische Reaktionen hervorrufen oder ohne Immunsystembeteiligung zu der Entstehung pseudoallergischer Reaktionen beitragen (verschiedene Nahrungsmittelbestandteile und/oder Zusatzstoffe)
     
Lokale, äußerliche Behandlung



Wird in der Regel mit hornhautabbauenden, wachstums- und entzündungshemmenden oder antimikrobiellen Präparaten (Harnstoff, Milchsäure, Teer, Dithranol, Zink, ATP, Antimykotika) durchgeführt, welche regelmäßig unter nassen oder trockenen Umschlägen - je nach Hautzustand und den Ergebnissen der mikrobiologischen Untersuchungen - zur Anwendung kommen.

Die herdsanierenden, entzündungshemmenden und hautaufbauenden Maßnahmen werden durch medizinische Bäder (Teer, Milchsäure, Ölbäder) unterstützt. In der Nachbehandlungsphase werden in der Regel vitaminhaltige sowie energie- und feuchtigkeitsspendende Präparate angewandt.

Psychologische Betreuung



Die konsequente, individuelle psychologische Betreuung der Patienten wird in Neukirchen durch einen sehr engen Kontakt zu unseren Ärzten und Psychologen sowie durch zusätzliche Entspannungstherapien wie autogenes Training, Yoga und Bio-Feedback gewährleistet. Hierzu kommen auch regelmäßige Einzel- und Gruppengespräche zur Erläuterung der Therapieprinzipien und verhaltenstherapeutische Einweisungen (z. B. Selbstsicherheitstraining) für die Nachbehandlungsphase.

Nachbehandlungsphase



Obwohl die meisten Psoriasis-Patienten die Spezialklinik Neukirchen erscheinungsfrei verlassen, ist es nötig, in den folgenden sechs bis acht Monaten der Nachbehandlungsphase weitere diätetische, stoffwechselunterstützende und immunstimulierende Maßnahmen zu veranlassen, um eine dauerhafte Beschwerdefreiheit zu sichern. Dabei wird die Therapie anhand der Ergebnisse wiederholter klinisch-biologischer Kontrolluntersuchungen schrittweise abgebaut. Eine enge Zusammenarbeit mit dem behandelnden Hausarzt ist während dieser Zeit von wesentlicher Bedeutung.

Eine im Jahr 1990 abgeschlossene Studie des Deutschen Psoriasis-Bundes dokumentiert, dass über 80 % aller in Neukirchen behandelten Patienten mit ihrem Therapieergebnis langfristig zufrieden oder sehr zufrieden sind (siehe Abbildungen).

Wir denken, dass dieses Ergebnis von Bedeutung ist, gerade wenn bekanntlich in diesem Therapiemodell weder Kortisonpräparate (extern oder intern) noch Immunblocker, Vitamin-A-Derivat oder Photochemotherapie (PUVA) einen Platz finden.

Der deutsche Psoriasisbund hat infolge der in 1988 - 1990 durchgeführten und veröffentlichten Studie die langfristigen positiven Therapieerfolge der behandelten Fälle bestätigt.